Liebe BirAli-Freunde,
nun ist es schon einige Zeit her, dass wir (Birthe und Nadja) das BirAli-Projekt in Kenia besucht haben. Voll mit neuen Eindrücken, Erfahrungen und Bildern sind wir heim- bzw. weitergereist. Es hat ein wenig gedauert, bis die Eindrücke sacken und wir uns wieder sammeln konnten. Nun ist es an der Zeit, Euch einmal von alledem zu berichten.
Während unseres zweieinhalbwöchigen Aufenthalts im BirAli-Heim sind wir tief eingetaucht in die kenianische Kultur und haben den African Way of Life genossen. Doch am einprägsamsten und wichtigsten für uns war es, die BirAli-Kinder kennen zu lernen und mitzuerleben, wie sie ihr Leben gestalten. Ausserdem galt es einige Missverständnisse und Ungereimtheiten, wie sie schnell über die Jahre und ohne direkten Kontakt entstehen können, mit Alice zu besprechen.
In den acht Jahren, die Birthe nicht mehr in Kenia war, hat sich natürlich viel verändert. Neben den augenscheinlichen Veränderungen im ganzen Land – wie zum Beispiel dass nun (fast) jeder Kenianer ein Handy besitzt und die Matatu-Kleinbusse nicht mehr so bunt sind und weniger laute Ragga-Musik spielen – hat sich auch im Hause BirAli einiges getan. Zunächst sei Euch berichtet, dass bei Alice nun nicht mehr wie zu Beginn des Projekts 11 Kinder leben, sondern stolze 26!

Das mag Euch zu Recht überraschen – auch für uns war es einer der Punkte den es mit Alice aufzuklären galt. In langen Gesprächen mit Alice konnten wir klären, wie es dazu kam, dass sie über die Jahre hinweg so viele neue Kinder aufgenommen hat, für die sie eigenständig jeden Monat Spenden von ihrer Kirche eintreiben muss. Alice sieht es als ihre Lebensaufgabe, sich um Waisen, Halbwaisen und Kinder aus sehr armen Verhältnissen zu kümmern und fühlt sich dazu von Gott berufen. Durch ihre Tätigkeit in der Kirche hat sich auch schnell herumgesprochen, dass Alice ein kleines privates Waisenheim führt und so wurden immer wieder Kinder an sie „herangetragen“. Nein zu sagen, fällt dann natürlich schwer, besondern den Kenianern, wenn auch an allen Ecken und Enden Platz und Geld fehlen.
In der Tat sind die Verhältnisse, unter denen die Kinder bei Alice leben, sehr einfach. (Dies jedoch gemessen an unserem europäischen Standard - gemessen am afrikanischen Standard, entspricht es durchaus Normalität.) Die Kinder leben auf engem Raum und teilen sich insgesamt drei Zimmer in dem angemieteten Haus, in dem sie mittlerweile leben. Alice ist mitsamt den Kindern im vergangenen Jahr in den Stadtteil Mtwapa in den Norden von Mombasa umgezogen. Grund für diese Entscheidung war vor allem, dass sie sich in Jumvu nicht mehr sicher fühlte, da dort die Kriminalität in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Gegenüber den dortigen Verhältnissen bietet das neue Haus in Mtwapa weitere Vorteile: Es besteht aus zwei Teilen, in einem befinden sich die drei Zimmer der Kinder, in dem anderen Teil Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Küche und Schlafräume für die Erwachsenen. Zum Haus gehört auch ein kleiner und durch ein Tor zur Straße abgeschirmter „Hof“, so dass die BirAli-Kinder dort ihren ungestörten Bereich haben, in dem sie spielen können.
Auch wenn wir uns am ersten Abend, den wir bei BirAli verbrachten, erst einmal langsam gegenseitig beschnuppern mussten, war es uns bald möglich, Kontakt zu den 26 Kindern und Jugendlichen aufzubauen, sie auseinanderzuhalten und kennenzulernen. Durch gemeinsames Spielen, Singen und Tanzen gelang es uns schließlich, Zuneigung und Vertrauen aufzubauen. Wir haben viel Zeit mit den Kindern verbracht, haben gemeinsam gespielt, getanzt und gegessen, ihnen bei den Hausaufgaben geholfen, waren am Strand und haben im Laufe der zweieinhalb Wochen mit jedem einzelnen ein intensives Gespräch geführt. Insbesondere zu ihren familiären Hintergründen, ihrer Situation in der Schule, ihren Hobbys, Interessen, Vorlieben und Abneigungen haben wir die Kinder befragt. Auch haben wir mit ihnen über die Bedingungen im BirAli-Heim gesprochen und uns nach ihren Wünschen erkundigt. Was uns dabei besonders positiv auffiel: Auf die Frage, was sie an BirAli mögen, entgegneten nahezu alle Kinder, dass sie BirAli sehr schätzen, weil Alice wie eine Mutter zu ihnen ist und weil sie zur Schule gehen können. Das Strahlen in den Augen der Kinder, wenn sie von Alice sprachen, war ein eindeutiger Beleg dafür!
Sehr gefreut hat uns darüber hinaus, dass die BirAli-Kinder untereinander einen sehr respektvollen Umgang pflegen. Sie helfen einander und stehen füreinander ein. So haben alle älteren Mädchen zum Beispiel eine Art „Patenkind“ von Alice zugeteilt bekommen – ein jüngeres Kind, um das sie sich besonders stark kümmern – dessen Wäsche sie waschen, dessen Schuluniform sie bügeln und dessen Ansprechpartner sie sind.
Ohne Ausnahme gehen alle Kinder in die Schule bzw. in den Kindergarten und tun dies augenscheinlich gerne – auch wenn es bei dem ein oder anderen Lern- oder Konzentrationsschwierigkeiten gibt. Alice achtet allerdings sehr stark darauf, dass die Kinder gefördert werden, ihre Hausaufgaben machen und wenn nötig auch Nachhilfe bekommen.
Alice als Hausmutter steht glücklicherweise nicht alleine da, um sich um die Kinder zu kümmern. Ihr zur Seite stand bereits von Anfang an Djuma, die sich vor allem um das Zubereiten des Essens und die Sauberkeit in Haus und Hof kümmert. Eine Art „Mann für alles“ ist Kea, ein 25jähriger hilfsbereiter junger Mann, der unter anderem Hausmeistertätigkeiten übernimmt und den Kindern auch bei ihren Hausaufgaben hilft. Des Weiteren ist derzeit Deborah als Freiwillige bei BirAli tätig. Solange sie noch auf Jobsuche ist, wird sie Djuma im Haushalt unterstützen.
In den nunmehr über acht Jahren, in denen es das BirAli-Projekt gibt, sind die ersten BirAli-Kinder inzwischen erwachsen geworden und teilweise bereits „aus dem Haus“ – Mapenzi, Katana und Kahindi sind mittlerweile alle berufstätig und stehen auf eigenen Beinen. Es ist total schön zu sehen, was aus den ersten BirAli-Kindern geworden ist – wie sie sich zu selbständigen, höflichen und sympathischen jungen Erwachsenen entwickelt haben.Dies sind die „Früchte“, die wir Euren Spenden und unserem gemeinsamen, interkulturellen Engagement zu verdanken haben.
Die letzten Tage im BirAli-Heim haben wir dazu genutzt, verschiedene Anschaffungen zu machen. Von neuen Betten,
Bettbezügen und Matratzen über Tassen und Teller bis hin zu Schuluniformen, Schultaschen und Zahnbürsten wurde einiges benötigt und sowohl Alice als auch die Kinder haben sich sehr über die Neuerungen gefreut. Auch konnten wir eine Wasserleitung legen lassen, so dass die Kinder nicht mehr das Wasser mit Kanistern von dem nahegelegenen „öffentlichen“ Wasserhahn holen müssen.
Unsere Unterkunft, ein einfaches Gästehaus, befand sich unmittelbar neben dem BirAli-Heim. Somit konnten wir jeden Tag hautnah miterleben, was „Alltag“ bei Alice und den Kindern bedeutet. Wir haben ein gutes Gefühl hinsichtlich der neuen Entwicklungen, haben viel Vertrauen gewonnen und sind optimistisch was die Zukunft des BirAli-Projekts betrifft. Mit den ganz frischen Eindrücken und Berichten möchten wir uns jetzt auf die Suche nach weiteren Personen begeben, die das BirAli-Projekt langfristig in Form von Daueraufträgen unterstützen möchten, so dass wir hoffentlich in naher Zukunft alle 26 Kinder finanzieren können, ohne dass Alice sich jeden Monat von neuem auf die Suche nach (unregelmäßigen) Spenden begeben muss und sich stattdessen auch wieder mehr ihrem eigenen Leben widmen kann und etwas Privatssphäre erhält, was in den letzten Jahren deutlich zu kurz gekommen ist.

Wir werden Euch natürlich weiterhin auf dem Laufenden halten, was die Entwicklungen bei BirAli betreffen. Birthe und Nadja stehen weiterhin in engem Kontakt zu Alice. In Kürze werdet ihr außerdem weitere Fotos und Informationen vom BirAli-Heim auf unserer Internetseite www.birali.de finden.
Im Namen von allen BirAli-Kindern, Alice und dem gesamten BirAli e.V. gilt es nun einmal mehr, Danke zu sagen – Danke an Euch für die jahrelange treue Unterstützung und Hilfe. Wir haben mit eigenen Augen gesehen, was aus den Kindern und dem Projekt geworden ist, welche Früchte BirAli bisher getragen hat, und sind nun voller Tatendrang und Motivation, dieses Projekt weiterzuführen und stetig zu verbessern. Auf dass die BirAli-Kinder weiterhin ein Strahlen in den Augen haben, wenn sie von ihrem Zuhause berichten!
Eure Nadja und Birthe, im Namen des gesamten BirAli e.V.